Die Australierin in Paris
In Portland, Victoria, liegt der Ursprung von Agnes Noyes Goodsir. Geboren im Jahr 1864 als eines von elf Kindern des Paares David James Cook Goodsir und Elizabeth Archer, begann ihr Weg zur Leinwand an der Bendigo School of Mines and Industries unter der Anleitung von Arthur T. Woodward. Im Jahr 1899 ermöglichte ihr eine Tombola in Bendigo die Reise nach Europa. Mit einem unstillbaren Durst nach akademischer Ausbildung erreichte sie Paris und schrieb sich an der Académie Delécluse, der Académie Colarossi und der Académie Julian ein. Unter dem Meister Jean-Paul Laurens verfeinerte sie eine Technik, welche die Schwere der Ölmalerei der Leichtigkeit der Aquarellfarben vorzog.
Im Jahr 1906 verlagerte sich das Geschehen nach London. Sie pendelte zwischen den beiden großen Kunstmetropolen durch das frühe zwanzigste Jahrhundert, bevor sie schließlich im Jahr 1921 auf der Linken Seine, in der Rue de l'Odéon 18, sesshaft wurde. Dies war eine Ära intensiver persönlicher und beruflicher Verschmelzung. An ihrer Seite war Rachel Dunn, bekannt als Cherry. Die beiden führten ein gemeinsames Leben als Gefährtinnen; Cherry wurde sowohl zu einer Muse als auch zu einem häufigen Motiv. In Werken wie The Parisienne ist der Blick unmittelbar. Es gibt hier kein schmeichelndes Licht, sondern nur eine kontrollierte Komposition und psychologische Tiefe.
Ein Leben in Porträts
Ihr Atelier wurde zu einem Kreuzungspunkt für Persönlichkeiten von Bedeutung. Die Gesichter, die sie einfing, waren vielfältig und von historischem Gewicht geprägt:
- Bertrand Russell
- Leo Tolstoy
- Ellen Terry
- Banjo Paterson
- Benito Mussolini
Ihr Schaffen war von Disziplin geprägt. Obwohl sie auch Stillleben und Interieurs schuf, lag ihre wahre Stärke im Porträt. Sie nutzte Kleidung, Mimik und sogar die Präsenz nackter Haut, um die patriarchalen Erwartungen ihrer Ära herauszufordern. Ihre Gemälde enthalten oft Symbole der Androgynität und der Geschlechtergleichheit. Im Jahr 1926 erreichte sie einen bedeutenden beruflichen Meilenstein, als sie in die französische Société Nationale des Beaux-Arts gewählt wurde.
Eine kurze Rückkehr nach Australien im Jahr 1927 brachte ihre Werke zurück in die Macquarie Galleries in Sydney und die Fine Arts Gallery in Melbourne. Die Resonanz war überwältigend. Schließlich kehrte sie nach Paris zurück – an jenen Ort, an dem ihr Leben und ihre Kunst am tiefsten miteinander verwoben waren. Als ihre Gesundheit in den 1930er Jahren nachließ, veränderte sich auch das Ausmaß ihres Werkes. Da sie zunehmend an ihr Atelier gebunden war, wandte sie sich der stillen Untersuchung von Licht und Schatten in Stillleben zu, wie etwa ihrer Studie von Zitronen aus dem Jahr 1930.
Vermächtnis und Vergänglichkeit
Das Ende fand sie im Paris des Jahres 1939. Sie hinterließ einen Großteil ihres Nachlasses Rachel Dunn. Schließlich wurden beide auf demselben Grab außerhalb der Stadt beigesetzt. Ihre Präsenz bleibt in den Sammlungen der National Gallery of Australia, der Art Gallery of New South Wales und der Bendigo Art Gallery lebendig. Das Goodsir-Stipendium in Bendigo steht als bleibende Verbindung zu ihrer frühen Ausbildung. In Canberra dient der Goodsir Place als dauerhaftes Denkmal für ihren Namen.