Frühes Leben, Familie und Ausbildung
Charles Lebayle wurde am 28. Mai 1856 in Paris, Frankreich, geboren. Er wuchs in einem Umfeld auf, das tief im Kunsthandwerk der Dekoration verwurzelt war, da sein Vater ein Unternehmen leitete, das auf Schaufenstergestaltung und Dekoration spezialisiert war. Diese Umgebung prägte vermutlich schon früh sein Verständnis dafür, wie Licht und Farbe mit Glas und Innenräumen interagieren.
Im Alter von vierzehn Jahren begann er, den Abendkursen an der École Nationale Supérieure des Arts Décoratifs zu folgen. Seine formale Ausbildung wurde durch die Anleitung mehrerer Lehrer erweitert, darunter der Bildhauer Aimé Millet und Alexandre Cabanel. Diese Studienjahre legten das technische Fundament für sein späteres Schaffen sowohl in der Malerei als auch im Design.
Über seine formale Schulbildung hinaus suchte er nach weiterer Unterweisung im Studium der Ölmalerei. Er besuchte die öffentlichen Kurse von Adolphe Yvon. Diese Lernphase ermöglichte es ihm, seinen Umgang mit Farbe und Komposition zu verfeinern, bevor er in die professionelle Sphäre eintrat.
Künstlerische Karriere und Glasmalerei
Sein Debüt im Salon erfolgte im Jahr 1877. Während sich viele seiner Zeitgenossen auf die Leinwand konzentrierten, wandte er seine Aufmerksamkeit der Glasmalerei zu. Dieser Wechsel des Mediums folgte einem Vorschlag seines Freundes Henri Carot, einem Mann, der ebenfalls für seine Arbeiten in der Glasmalerei bekannt werden sollte. Anstatt der traditionellen Ölgemälde, die in solchen Ausstellungen erwartet wurden, präsentierte er Werke, die eigens für das Spiel von Licht und Glas konzipiert waren.
Um 1885 führte ihn seine Arbeit in den Dom von Autun. Dort half er bei der Gestaltung eines Glasdachs, das das Leben der Jungfrau Maria darstellte. Dieses Projekt erforderte eine äußerst feine Hand, um die Zeichnungen in das lichtdurchlässige Medium zu übertragen. Zudem trug er zur Gestaltung des Hauptfensters im Rathaus von Vannes bei, wobei er gemeinsam mit Charles Champigneulle an der Vollendung der Installation arbeitete.
Späte Jahre und Tod
Nach seiner Rückkehr nach Frankreich fand Lebayle Arbeit in den Werkstätten des Glasmalers Lucien Bégule. In dieser Zeit wirkte er an der Erschaffung von Fenstern für das Hôpital de la Charité in Lyon mit. Die meisten dieser Werke gingen verloren, als das Gebäude 1933 abgerissen wurde.
Später versuchte er, ein eigenes Unternehmen für Glasmalerei aufzubauen, doch das Vorhaben war nicht erfolgreich. Dieses Scheitern, gepaart mit dem mangelnden Anerkennungsgrad als eigenständiger Künstler, führte in eine Phase der Entmutigung. Er starb am 22. Januar 1898 im 15. Arrondissement von Paris.