Der Lehrling von Rotterdam
Wir schreiben das Jahr 1784. Ein dreizehnjähriger Junge verlässt die Küstenstadt Goedereede und macht sich auf den Weg in die belebten Straßen von Rotterdam. Sein Vater, Job Krijnse Bakker – ein Mann von vielen Talenten, der sowohl als Bürgermeister als auch als Böttermeister wirkte – hat ihn dazu bestimmt, bei A.C. Hauck in die Lehre zu gehen. Diese Ausbildung markiert den Beginn eines Lebens, das von der unerbittlichen Präzision des Pinsels und den anspruchsvollen Anforderungen der Porträtmalerei geprägt sein sollte.
In den Ateliers von Rotterdam entwickelt sich der junge Cornelis Bakker von einem einfachen Schüler zu einer angesehenen Persönlichkeit innerhalb der Tekengenootschap. Im Jahr 1790 wird das Potenzial seines Talents unbestreitbar: Er gewinnt einen Ehrenpreis für seine Fähigkeit, nach einem lebenden männlichen Aktmodell zu zeichnen. Dieser Erfolg ist weit mehr als nur eine bloße Auszeichnung; er sichert ihm die volle Mitgliedschaft in der Gesellschaft und ermöglicht es ihm, auf Augenhöhe mit den etablierten Mitgliedern der Oberschicht zu verkehren. Bis zum Jahr 1798 tritt er schließlich die Nachfolge seines Schwiegervaters in einer bedeutenden Position innerhalb der Tekengenootschap an – ein Amt, das er bis 1835 innehat.
Ein Leben in Präzision und Porträtkunst
Das wirtschaftliche Klima des frühen 19. Jahrhunderts bietet kaum Stabilität. Während die Annexion durch Frankreich der Region Entbehrungen und Arbeitslosigkeit bringt, muss der Künstler die Suche nach der reinen Kunst mit der nackten Notwendigkeit des Überlebens in Einklang bringen. Um sein Einkommen zu sichern, gibt er privaten Zeichenunterricht – eine Tätigkeit, die oft zulasten seiner eigenen kreativen Zeit geht. Dennoch findet sein Schaffen in ganz spezifischen Nischen seine Bestimmung, die eine ruhige Hand und ein unbestechliches Auge für das Detail erfordern.
Sein technischer Fokus verschiebt sich dabei hin zu ganz unterschiedlichen Ausdrucksformen:
- Die Miniaturporträtmalerei, ein spezialisiertes Handwerk, das er von seinem Schwiegervater erlernte.
- Genremalerei, die sich der Stille und der Intimität von Interieurs widmet.
- Landschaftzeichnungen, insbesondere vier Ansichten von Goedereede, die 1789 mit Bleistift, schwarzem Federhalter und Pinsel geschaffen wurden.
- Doppelporträts von Familienmitgliedern, darunter er selbst und seine Ehefrau Eva Hauck.
So wird die Familie zu einer Dynastie der Maler. Seine Söhne, Job Augustus und Aren, folgen seinen Fußstapfen in den künstlerischen Beruf. Das häusliche und das berufliche Leben sind untrennbar miteinander verwoben, was sich eindrucksvoll in den Porträts seiner Kinder Franciscus und Aren sowie Geertruida und Job widerspiegelt.
Das gemalte Selbst
Ein Porträt im Museum Rotterdam, das oft als Selbstbildnis interpretiert wird, gewährt uns einen intimen Einblick in den Arbeitsbereich des Künstlers. Er wird mit einer dichten, lockigen Haarpracht und einer markanten Nase dargestellt, wie er vor einer Staffelei sitzt. Ein Holzstuhl stützt seinen Körper, während eine graue Tafel auf der Staffelei ruht. Seine rechte Hand hält einen Pinsel über die Armlehne des Stuhls, während die linke Hand eine Palette umschließt. In der Nähe liegen Bücher und Malutensilien verstreut, und im Hintergrund wacht eine Gipsbüste des Torso von Belvedere. Dieses Bild fängt den Menschen hinter der Miniatur ein – einen Profi, der sich geschickt im Spannungsfeld zwischen künstlerischer Vision und existentieller Not bewegt.