Frühes Leben, Familie und Ausbildung
Criss Glasell wurde im Jahr 1898 in Wien, Österreich, geboren. Als sie erst sechs Jahre alt war, verließ ihre Familie Österreich und zog 1904 in die Amerika. Nachdem sie einige Zeit in Wisconsin verbracht hatte, zog es sie nach Chicago, um am Art Institute of Chicago zu studieren. In diesen prägenden Jahren verdiente sie ihren Lebensunterhalt durch das Handbemalen von Lampenschirmen – eine Tätigkeit, die eine ruhige Hand und ein geschultes Auge für feinste Details erforderte.
Im Juni 1925 heiratete sie ihren Ehemann Don, der ebenfalls als Künstler tätig war. Schließlich ließen sich die beiden in Dubuque, Iowa, nieder, wo sie fest in der lokalen Kunstszene verwurzelt wurden. Sie unterhielten ein Atelier und eine Galerie in der Main Street und führten ein Leben, das ganz im Zeichen ihres kreativen Schaffens stand.
Künstlerisches Wirken in Dubuque
Nachdem sie sich 1925 in Dubuque, Iowa, niedergelassen hatte, wurde Criss Glasell zu einer festen Größe in der lokalen Kunstszene. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Don eröffnete sie ein Atelier und eine Galerie in der Main Street – ein Ort, der als zentraler Anlaufpunkt für die gesamte Gemeinschaft fungierte. Dieses Studio war weit mehr als nur ein Arbeitsplatz für die tägliche Schöpfungskraft; es war ein lebendiger Treffpunkt, an dem sich Menschen um die Kunst versammelten. Ihre Präsenz in der Stadt blieb über die 1920er bis in die 1940er Jahre hinein beständig, während sie maßgeblich dazu beitrug, das wachsende kreative Umfeld im Mittleren Westen zu beleben und zu stützen.
Ihr Engagement reichte dabei weit über die eigenen Atelierwände hinaus. Als aktives Mitglied der Dubuque Art Association – einer Organisation, aus der schließlich das Dubuque Museum of Art hervorgehen sollte – prägte sie die Art und Weise, wie Kunst in der Region geteilt und bewahrt wurde. Ihr Leben in Dubuque war geprägt von dieser kontinuierlichen Auseinandersetzung mit der lokalen Landschaft und den Menschen, die sie umgaben.
Kreis, Mentoren und Einflüsse
Die Landschaft des Mittleren Westens hinterließ tiefe Spuren in ihrem Werk, geprägt durch die Menschen, bei denen sie ihre Ausbildung erhielt. Grant Wood war ein enger Freund und Mentor, dessen Anleitung maßgeblich dazu beitrug, ihre künstlerische Perspektive zu formen. In den Sommern 1932 und 1933 verbrachte sie Zeit in seiner Stone City Art Colony und sog die inspirierende Atmosphäre dieser kreativen Gemeinschaft förmlich in sich auf. Ihre Verbindung zu ihm ging dabei weit über das bloße Studium hinaus; so war sie im Jahr 1934 maßgeblich daran beteiligt, ihn für eine besondere Ausstellung und einen Vortrag nach Dubuque zu bringen.
Ihre künstlerische Entwicklung wurde zudem maßgeblich durch Adrian Dornbush beeinflusst, der gemeinsam mit Wood als einer ihrer wichtigsten Berater fungierte. Diese tiefgreifenden Beziehungen halfen ihr dabei, fest in der lokalen Kunstszene zu verwurzeln. Während Woods Einfluss eine gewisse rustikale Qualität in ihre Kompositionen brachte, führte die Präsenz von Dornbush eine ganz andere Sensibilität ein, die durch hochgesättigte Farben bestach. Es gelang ihr, diese zwei so unterschiedlichen Ansätze meisterhaft miteinander zu verschmelzen, und so schuf sie einen Stil, der ganz und gar ihr eigener blieb.
Technik und künstlerischer Stil
Das Werk von Criss Glasell fängt oft das stille, strukturierte Wesen des Mittleren Westens ein. Ihre Gemälde konzentrieren sich häufig auf ländliche Landschaften, in denen die Geometrie einer Scheune oder die Silhouette eines Traktors im Mittelpunkt steht. Mitte der 1930er Jahre entsprach ihr Ansatz dem Stil des Präzisionismus, der durch scharfe Linien und ein ausgeprägtes Gefühl für Ordnung gekennzeichnet ist. Sie verwendete leuchtende Farbflächen, um die Formen der Landschaft zu definieren, und schuf so eine visuelle Sprache, die sich sowohl modern als auch tief in der lokalen Umgebung verwurzelt anfühlte.
Es gibt eine ganz eigene Art und Weise, wie sie Farbe und Form behandelt, die sie von anderen abhebt. Sie besaß die Gabe, verschiedene künstlerische Ansätze miteinander zu verschmelzen, um ihren ganz eigenen Rhythmus zu finden. Während ein Einfluss eine gewisse rustikale Qualität in ihre Szenen brachte, trug ein anderer zu hochgesättigten Farben bei. Durch die Kombination dieser Elemente entwickelte sie ein Portfolio, das sich unverwechselbar anfühlte. Ihre Kompositionen verlassen sich nicht auf weiche Kanten; stattdessen nutzen sie klare Grenzen, um die Bauernhäuser, Briefkästen und Felder zu organisieren, die sie beobachtete.
Hauptwerke und Sammlungen
Eines ihrer bemerkenswertesten Werke ist die im Jahr 1937 entstandene Wandmalerei-Studie mit dem Titel Rural Free Delivery, die für das Postamt in Leon, Iowa, geschaffen wurde. Bei diesem Werk handelt es sich um eine Tempera-Malerei auf Holzfaserplatte, mit den Maßen 20 1/8 mal 48 Zoll. In der unteren rechten Ecke findet sich ihre Signatur auf der Oberfläche wieder. Das Kunstwerk fängt eine Szene des Landlebens ein und konzentriert sich dabei auf eine Landschaft, die einen Bauernhof, eine Scheune und einen Traktor umfasst. Es stellt eine Familie und einen Briefkasten dar und rückt die stille Tätigkeit des Lesens und Schreibens von Briefen in das Zentrum der Komposition.
Diese spezifische Studie befindet sich in der Sammlung des Smithsonian American Art Museum in Washington, D.C. Sie bleibt ein bedeutender Bestandteil der Museumssammlungen, nachdem sie über die General Services Administration an die Institution übertragen wurde. Das Werk spiegelt die spezifische Thematik des Mittleren Westens wider und zeigt die Schnittstelle zwischen häuslichem Leben und der Agrarlandschaft durch die Darstellung eines Landwirts und seiner Umgebung.