Frühe Jahre, Familie und Ausbildung
Gordon Hookey kam 1961 in Cloncurry, Queensland, zur Welt. Er gehört dem Volk der Waanyi an – eine tiefe Verbundenheit, die seine gesamte Perspektive auf die Schnittstellen zwischen der Kultur der Aborigines und der nicht-indigenen Kultur prägt. Seine Wurzeln in Cloncurry bilden das fundamentale Prisma, durch das er sich später in den komplexen soziopolitischen Landschaften bewegt.
Der Weg seiner formalen Ausbildung führt ihn von den nördlichen Regionen hin zu den urbanen Zentren der Küste. Er verfolgt seine akademische Laufbahn am College of Fine Arts der University of New South Wales in Sydney, wo er seinen Bachelor of Fine Arts erwirbt. Dieses akademische Fundament schafft den technischen Rahmen für eine künstlerische Praxis, die sich im Laufe der Zeit weit über die Malerei hinaus in die Bereiche Skulptur, Installation und Video entwickelt. Jahre später kehrt er dem akademischen Studium bei und schließt 2012 sein Masterstudium in Visual Arts an der Griffith University ab.
Stil und Technik
Hookey bewegt sich an jener spannungsvollen Schnittstelle, an der indigene und nicht-indigene Kulturen aufeinanderprallen. Seine künstlerische Praxis ist geprägt von einer radikalen, aktivistischen Haltung, die etablierte Hierarchien unerschütterlich infrage stellt. Mit beißender Satire nimmt er die australische Kultur, die Politik und die Führungseliten ins Visier; dabei entlarvt er oft die moralische Integrität der Mächtigen, während er gleichzeitig die Position der Marginalisierten stärkt. Dieser Ansatz manifestiert sich in einer scharfsinnigen Kritik am Rassismus und einer beharrlichen Hinterfragung der Art und Weise, wie Geschichte überhaupt konstruiert wird. In seinem Werk oszilliert er zwischen mündlichen Überlieferungen und bildbasierter Geschichtsschreibung, um die Mechanismen aufzuzeigen, durch die indigene Stimmen oft zum Schweigen gebracht oder kulturell vereinnahmt werden.
Die monumentale Dimension seiner Werke spiegelt dabei oft die Schwere seiner Sujets wider. Er nutzt großformatige Malerei, um den Betrachter förmlich zu konfrontieren, wobei er bis zu zehn Meter lange Leinwände einsetzt, um komplexe Narrative zu entfalten. Sein Medium beschränkt sich jedoch keineswegs auf die Leinwand; seine künstlerische Bandbreite reicht von der Skulptur über Installationen bis hin zu Zeichnungen, Fotografie und Animation. In digitalen Werken wie Terraist (2014) nutzt er die Animation, um die koloniale Sprache zu unterwandern, und spielt mit Wortspielen, um das Rechtskonzept des terra nullius zu verspotten. Häufig setzt er zudem Video ein, um seinen Kommentar über den statischen Rahmen hinaus in den Raum zu erweitern.
- Terraist (2014)
- Fuck off French Fried Frog Face Frick (1995)
Hauptwerke und bedeutende Projekte
Die Satire ist der treibende Motor in einem Großteil seines Schaffens. In der Ausstellung Ruddock's Wheel nimmt Hookey gezielt einen politischen Kommentar von Philip Ruddock ins Visier, der sich auf die Nutzung des Rades durch die Aborigines bezieht. Diese scharfsinnige Kritik nutzt den Humor als Werkzeug, um koloniale Narrative frontal anzugreifen. Das digitale Werk Terraist (2014) setzt diesen Weg konsequent fort: Es zeigt eine Armee von Kängurus, die die indigene Bevölkerung repräsentieren und eine Atombombe auf das Parlamentsgebäude abfeuern. Der Titel fungiert dabei als Wortspiel auf terra nullius – jenem Rechtskonzept, das die Besiedlung Australiens rechtfertigte – und verspottet gleichzeitig die koloniale Sprache, der man dem Volk der Waanyi ihre eigene Muttersprache entzogen hat.
Seit 2015 hat sich der Fokus auf MURRILAND! verlagert, eine erste umfassende Retrospektive. Dieses Projekt umfasst eine Serie monumentaler Gemälde auf zehn Meter langen Leinwänden. Diese großformatigen Arbeiten versuchen, die Geschichte Queenslands kartografisch zu erfassen, indem sie indigene und nicht-indigene Erzählungen aus der Zeit vor der Kolonialisierung bis in die heutige Gegenwart miteinander verweben. Das Projekt schöpft Inspiration aus Tshibumba Kanda-Matulus Geschichtsschreibung über Zaire, dem heutigen Demokratischen Kongo der Republik, um zu untersuchen, auf welche Weise die Stimmen der Aborigines zum Schweigen gebracht oder kulturell vereinnahmt werden.
Ausstellungen und berufliche Tätigkeit
Hookey agiert im Zentrum einer bedeutenden kollektiven Bewegung. Als Kernmitglied des in Brisbane ansässigen indigenen Kollektivs proppaNOW ist seine künstlerische Praxis tief mit den gemeinschaftlichen Bestrebungen seiner Weggefährten verwoben. Dieses Engagement bettet sein Werk in einen breiteren Kontext zeitgenössischen indigenen Aktivismus und politischer Kritik ein. Seine Präsenz in der Kunstwelt erstreckt sich dabei auch auf bedeutende internationale Plattformen, darunter eine Ausstellung im Rahmen der Biennale in Sydney gemeinsam mit Paranoia Annoy Ya.
Das Ausmaß seines Schaffens verlangt oft nach weitläufigen Räumlichkeiten. Im Jahr 2022 zog die Ausstellung A Murriality durch bedeutende Institutionen, unter anderem mit einer Präsentation in den UNSW Galleries in Sydney. Diese Retrospektive seines Werkes beleuchtet eine Karriere, die maßgeblich durch die Schnittstelle von Kunst und gesellschaftlichem Kommentar definiert ist. Sein Profil wurde zudem im Jahr 2007 durch die Veröffentlichung im Buch Untitled. Portraits of Australian Artists weiter gefestigt.
- A Murriality (2022)
- Terraist (2014)
- Fuck off French Fried Frog Face Frick (1995)
Wo man seine Werke heute erleben kann
Die Reichweite von Hookeys künstlerischem Schaffen erstreckt sich weit über die lokalen Landschaften Queenslands hinaus bis hin zu bedeutenden internationalen Institutionen. In den Niederlanden findet sein Werk einen festen Platz in den Sammlungen des Aboriginal Art Museum Utrecht. Diese Präsenz in Europa markiert eine bemerkenswerte Distanz zu jenem australischen Boden, der seine Perspektive als Waanyi-Mann so tiefgreifend prägt.
Innerhalb Australiens sind seine Arbeiten in mehreren bedeutenden nationalen Institutionen untergebracht. Die National Gallery of Australia in Canberra bewahrt sein Werk neben anderen prägenden Persönlichkeiten des Kontinents. In Melbourne ist die National Gallery of Victoria für sein Schaffen zuständig, während die Art Gallery of Western Australia in Perth seine Beiträge zum zeitgenössischen Kanon bewahrt. Besonders tief verwurzelt ist seine Präsenz in Brisbane in der Queensland Art Gallery | Gallery of Modern Art, wo seine visuelle Sprache weiterhin erforscht und für die Nachwelt bewahrt wird.