Ein Leben zwischen Medizin und Surrealismus
Grace Pailthorpe war eine britische surrealistische Malerin, Chirurgin und Psychologin. Geboren in St Leonards, Vereinigtes Königreich, war sie die einzige Tochter unter zehn Kindern. Nach ihrem Studium am Royal College of Music schlug sie den Weg der Medizin ein und qualifizierte sich am Royal Victoria Infirmary in Newcastle upon Tyne als Ärztin. Während des Ersten Weltkriegs war sie als Chirurgin in Militärkrankenhäusern in London, Paris und Liverpool tätig, unter anderem im Hôpital Temporaire d'Arc-en-Barrois in Frankreich und im Scottish Women's Hospital in Saloniki.
Ihre medizinische Laufbahn führte sie als Bezirksärztin nach Youanmi in Westaustralien und führte sie zu tiefgreifenden Forschungen in der Kriminalpsychologie im Gefängnis von Birmingham sowie im Holloway Women's Prison. Im Jahr 1931 gründete sie die Association for the Scientific Treatment of Criminals. Später arbeitete sie als beratende Psychiaterin in der Portman Clinic und leitete eine Schule für Kunsttherapie.
Künstlerische Erkundung und Forschung
Im Jahr 1935 begann Grace Pailthorpe gemeinsam mit Reuben Mednikoff, die Psychologie der Kunst zu erforschen. Das Paar lebte in Port Isaac, Cornwall, wo es psychoanalytische Experimente durchführte und surrealistische Kunst schuf. Pailthorpe trug 1936 zur Internationalen Surrealismus-Ausstellung in London bei und veröffentlichte Beiträge in verschiedenen Publikationen wie dem London Bulletin. Ihre Arbeiten erfuhren Anerkennung von André Breton. Im Jahr 1938 veröffentlichte sie The Scientific Aspect of Surrealism, in dem sie darlegte, dass Surrealismus und Psychoanalyse Werkzeuge für die persönliche Befreiung und die künstlerische Kreativität seien.
Pailthorpe und Mednikoff praktizierten eine unkonventionelle Methode der Analyse, bei der sie alle zwei Wochen die Rollen von Patient und Analytiker tauschten. Nachdem sie 1940 aus der britischen Surrealisten-Gruppe ausgeschlossen worden waren, zogen sie nach New York City und nach Kalifornien. Im Jahr 1944 stellten sie gemeinsam in der Vancouver Art Gallery aus, was einen maßgeblichen Einfluss auf die surrealistische Kunst in Westkanada ausübte. Sie verstarb im Juli 1971.