Der Wandel von der Scholle zum Atelier
Overhalla, Norwegen, 1927. Der schwere Rhythmus des Bauernlebens in Nordre Trondheim bricht plötzlich auf. Johannes Rian, ein Mann, der tief in den Traditionen seiner Eltern Peter und Elen verwurzelt war, lässt den Familienhof hinter sich. Mit siebenunddreißig Jahren vollzieht er diesen Übergang abrupt. Er entfernt sich von den vorhersehbaren Zyklen der Landwirtschaft und strebt der Norwegischen Nationalen Akademie der Schönen Künste entgegen. Die Jahre 1928 bis 1930 markieren eine Zeit intensiven formalen Studiums unter Axel Revold.
Der Einfluss anderer beginnt, seine Vision zu formen. Revold und Henrik Sørensen, beide Schüler von Matisse, bringen das Licht von Paris in Rians norwegische Realität. Er verinnerlicht ihren Umgang mit Farbe und Form. Sein Frühwerk findet seinen Anker in einer figurativen Phase, in der die Motive zwar erkennable bleiben, aber mit einem spezifischen Fokus auf farbliche Harmonien behandelt werden.
Farbe und Form in Bewegung
Der Pinselstrich entwickelt sich durch Jahrzehnte des Experimentierens weiter. Im Jahr 1950 ermöglicht ihm ein Stipendium des Thomas Fearnley Memorial die Reise in den Süden Frankreichs. Die Côte d'Azur bietet eine neue Landschaft für seine Palette. In dieser Ära zeigen Werke wie Damen med celloen (Frau mit dem Cello) ein rhythmisches Zusammenspiel von Farbfeldern. Er agiert als Schöpfer der Farbe und nutzt Motive, die den Prinzipien von Matisse entsprechen.
Mit der Zeit beginnt die erkennbare Welt zu zerfließen. Nach Erreichen seines siebzigsten Lebens durchläuft Rian einen weiteren tiefgreifenden Wandel. Die figurativen Sujets verschwinden und werden durch eine nonfigurative Formensprache ersetzt. Seine späteren Gemälde ähneln den diffusen Formationen, die man sieht, wenn die Augen geschlossen sind – Nachbilder, die in einem unendlichen Raum schweben. Diese Periode der Abstraktion zeichnet sich aus durch:
- Eine Bewegung hin zu reinen Visionen und kontemplativer Klarheit.
- Die Entwicklung einer nonfigurativen, abstrakten Sprache.
- Die Betonung der Farbe als primäres Strukturelement.
Vermächtnis und Anerkennung
Rians Präsenz in der norwegischen Kunstszene ist durch stetige Ausstellungen geprägt. Zwischen 1930 und 1957 zeigt er seine Arbeiten im Kunstnerforbundet in Oslo. Später, ab 1960, wird die Galleri Haaken zu einem der wichtigsten Orte für seine Präsentationen. Seine Reichweite erstreckt sich über Norwegen hinaus bis zur São Paulo Biennale 1967/68.
Das Norwegische Museum für Zeitgenössische Kunst bewahrt acht seiner Gemälde auf und sichert so seinen Beitrag zur visuellen Geschichte der Nation. Im Jahr 1978 werden seine Verdienste formell mit dem Königlich Norwegischen Orden des Heiligen Olav gewürdigt. Er bleibt eine Persönlichkeit, die durch ihre Fähigkeit definiert wird, die eigene Wahrnehmung immer wieder neu zu erfinden – ein Weg von der greifbaren Erde Overhallas hin zu den abstrakten Tiefen von Licht und Farbe.