Das Leben eines Porträtisten
Geboren am 6. Juli 1821 in Antwerpen, wuchs Joseph Pierre Lambert Delin in einem Haus auf, das maßgeblich durch die Präsenz seines Vaters, Jacques Joseph Delin, geprägt war, der in derselben Stadt Geschichte und Schulunterricht erteilte. Sein Weg in die Welt der Malerei begann an der Akademie der Schönen Künste in Antwerpen, wo er unter der Anleitung von Gustave Wappers studierte. Das Atelier war für ihn ein Ort unermüdlicher Übung und Hingabe.
Seine Hände widmeten sich über lange Zeit der Aufgabe, die Gesichter seiner Mitmenschen einzufangen. Im Jahr 1869 führte ihn sein wachsender Ruf nach Rom. Dort arbeitete er an Porträts von Papst Pius IX. sowie an Darstellungen hochrangiger Persönlichkeiten wie Kardinal Giuseppe Berardi und Pierre-Jean Beckx. Nach dieser bedeutenden Reise kehrte er nach Antwerpen zurück und fand sich in einem Leben wieder, das tief mit der lokalen Künstlergemeinschaft verwoben war.
Er trug maßgeblich zum Aufbau des Cercle Artistique d'Anvers bei, einer Vereinigung für Künstler, die in ihren eigenen Hallen zusammenkamen. Sein Engagement reichte weit über die Leinwand hinaus; er bekleidete das Amt des Präsidenten der Abteilung für plastische Künste innerhalb dieser Gruppe und war zudem Mitglied der Société royale pour l'encouragement des Beaux-arts à Anvers.
Die Gesichter auf der Leinwand
Delins Werk konzentrierte sich intensiv auf das Individuum. Er betrachtete die Züge seiner Subjekte mit höchster Präzision, seien es Adlige oder Mitglieder des lokalen Klerus. Seine Sammlung von Porträts umfasst spezifische Ähnlichkeiten wie:
- Porträt von Albertina du Bois
- Porträt von Edward Moretus
- Porträt von Charles Verlat
- Porträt von Madeleine Morel de Tangry
- Porträt von Léopold de Wael, dem Bürgermeister von Antwerpen
Einige seiner Studien befassten sich weniger mit einer vollendeten Ähnlichkeit als vielmehr mit der rohen Mechanik des Ausdrucks. Ein solches Werk, eine akademische Studie über den Zorn, offenbart eine andere Seite seines technischen Fokus. Zudem widmete er sich Stücken wie einer Büste eines Mannes und einer Frau in Kleidung des 16. Jahrhunderts, was sein Interesse an historischen Kostümen unterstreicht.
Seine Selbstporträts zählen zu den Werken, die heute im Royal Museum of Fine Arts Antwerpen aufbewahrt werden. Diese Gemälde zeigen den Künstler, der auf sich selbst zurückblickt und seine eigene Präsenz über die Jahre hinweg dokumentiert, bis zu seinem Tod in Antwerpen am 13. Dezember 1892.