Die Materialität des Alltäglichen
Geboren 1974 in München, hat Martin Wöhrl sein Leben damit verbracht, sich in den stillen Zwischenräumen zwischen dem, was ein Objekt ist, und dem, was es werden könnte, zu bewegen. Sein künstlerisches Schaffen ist tief in der physischen Realität der Welt um uns herum verwurzelt, wobei sein Blick oft auf das Verwerfen und das Banale gerichtet ist. Er sucht nicht nach kostbaren Materialien; stattdessen findet er sein Medium in den Resten aus Baumärkten und Discounter-Heimwerkerecken. Durch die Verwendung von Fundstücken, Metall, Beton und Holz erschafft er Werke, die sich anfühlen, als hätten sie schon immer am Rande unseres Sichtfeldes existiert, nur um dann plötzlich wahrgenommen zu werden.
Sein Ansatz in der Skulptur und im Relief gleicht einem behutsamen Tanz aus Maßstab und Volumen. Er nimmt oft das Vertraute und verändert dessen Bedeutung durch Prozesse der Mimikry oder der Juxtaposition. Ein Werk mag verschiedene Weißnuancen nutzen, um ein Relief zu formen, oder es nimmt ein gewöhnliches Material und dehnt es zu etwas aus, das eine völlig neue Form der Aufmerksamkeit fordert. In seinen Arbeiten liegt eine ganz spezifische Spannung – ein Wandeln auf dem schmalen Grat zwischen der geschickten Hand eines Kunsthandwerkers und dem beiläufigen Griff eines Sammlers.
Eine Sprache von Form und Funktion
Wöhrls Ausbildung führte ihn von der Akademie der Bildenden Künste in München zur Glasgow School of Art und prägte eine Perspektive, die sowohl tief lokal verwurzelt als auch weit über das Internationale hinausgreifend ist. Sein Werk setzt sich häufig mit der Geschichte von Design und Architektur auseinander und schöpft aus der visuellen Sprache der Heraldik und des häuslichen Lebens. Er betrachtet die Art und Weise, wie wir Räume bewohnen und die Objekte, mit denen wir sie füllen, wobei er diese vertrauten Elemente oft auf den Kopf stellt, um kulturelle Normen oder traditionelle Vorstellungen von Wert zu hinterfragen.
Sein künstlerisches Schaffen ist dabei äußerst vielfältig und umfasst verschiedene Schöpfungsprozesse:
- Skulpturen, die Metall, Lack und Beton nutzen, um das Volumen zu erforschen.
- Wandarbeiten und Reliefs, die Fundstücke aus Holz integrieren.
- Objekte und Multiples, die sich mit Ornament und Dekoration auseinandersetzen.
- Großformatige Installationen, die auf lokale Traditionen und Bildsprachen Bezug nehmen.
Diese Varianz erlaubt es ihm, sich zwischen dem Intimen und dem Monumentalen zu bewegen. Ob er an einem kleinen Objekt arbeitet oder eine groß angelegte öffentliche Installation entwirft, der Kern seiner Methode bleibt stets derselbe: eine Auseinandersetzung mit der Art und Weise, wie Materialien ihre ganz eigenen Geschichten erzählen.
Anerkennung und Präsenz
Die Reichweite seines Werkes erstreckt sich von privaten Sammlungen in München bis hin zu Galerien in New York und darüber hinaus. Seine Präsenz in der Kunstwelt wurde durch mehrere bedeutende Auszeichnungen und Stipendien markiert, darunter der Lothar-Fischer-Preis im Jahr 2011 sowie das Villa-Concordia-Stipendium in Bamberg. Diese Anerkennungen spiegeln eine Karriere wider, die auf einer konsequenten, singulären Untersuchung des Wesens des Objekts aufbaut.
Seine Arbeiten finden sich in verschiedenen institutionellen Kontexten wieder, darunter im Lenbachhaus in München und im Kunstmuseum Bonn. Indem er die hochgeistige Sprache der schönen Künste mit den bescheidenen Materialien des Baumarktes zusammenführt, schafft Wöhrl einen Raum, in dem der Betrachter das Gewicht und die Bedeutung des Alltäglichen neu überdenken muss. Er bleibt in München aktiv und formt seine Vision stetig durch jene Materialien weiter, die andere vielleicht einfach wegwerfen würden.