Ein Leben zwischen den Grenzen
Geboren 1924 in Odessa, Ukraine, zog Moshe Tamir bereits als kleiner Junge im Jahr 1931 nach Israel. Seine künstlerische Reise begann an der Bezalel Academy of Arts and Design in Jerusalem, wo er bis 1944 studierte. Diese prägende Zeit in Jerusalem legte den Grundstein für eine Karriere, die schließlich die bedeutendsten Kunstmetropolen Europas umspannen sollte. Nach seinem Aufenthalt an der Bezalel-Akademie suchte er in Italien nach weiterer künstlerischer Verfeinerung und schloss 1952 sein Studium an der Fine Arts Academy in Rom ab. Seine akademischen Bestrebungen setzten sich an der École des Beaux-Arts in Paris fort, wo er 1955 seine fortgeschrittenen Studien abschloss.
Die Mitte des Jahrhunderts war geprägt von sieben Jahren, in denen Tamir in Montparnasse lebte und arbeitete – eine Ära intensiver kreativer Entfaltung. Während seiner Zeit in Paris bewegte er sich im selben künstlerischen Umfeld wie Größen wie Jean Dubuffet und Constantin Brâncuşi. Diese Begegnung mit der europäischen Avantgarde half ihm, jenen Stil zu entwickeln, der als Neue Figuration bekannt wurde. Seine Werke aus dieser Epoche zeichneten sich durch dicke, farbenprächtige Farbschichten und Kompositionen aus, die von mythologischer Bildsprache und dichten Formen durchdrungen waren.
Technik und Form
Tamir beschränkte sich nicht auf ein einziges Medium, sondern wechselte zwischen verschiedenen Techniken, um seine Vision zu verwirklichen. Er besaß eine besondere Begabung für die Monumentalmalerei und den Fresko-Stil, eine Disziplin, die er während seiner Zeit als Assistent von Prozzo Parchi in der Kirche St. Eugen in Rom erlernte. Sein technisches Repertoire war äußerst breit gefächert und umfasste:
- Öl und Gouache
- Fresko und monumentale Wandmalereien
- Lithografie und Siebdruck
- Zeichnung und Mixed Media
Sein Umgang mit der Bildoberfläche war oft schwer und texturiert. Ob er nun an einem kleinen Tafelbild oder an einem großformatigen Wandgemälde arbeitete, sein Fokus blieb stets auf mythologischen Themen. Ein herausragendes Beispiel seiner Freskenkunst ist Wounded Amnon, ein Werk, das ihm 1949 eine Auszeichnung im Tel Aviv Artist's House einbrachte und bis heute Teil der ständigen Sammlung des Tel Aviv Museum of Art ist.
Anerkennung und späte Jahre
Im Laufe seiner Karriere erhielt Tamir zahlreiche Ehrungen, die seine Bedeutung sowohl in israelischen als auch in internationalen Kunstkreisen widerspiegelten. Im Jahr 1947 wurde er mit dem Bezalel Hermann Struck Preis ausgezeichnet, der ihm von Mordechai Ardon verliehen wurde. Auch seine grafische Arbeit fand auf globaler Bühne Anerkennung, insbesondere durch den ersten Preis im Museum von Rio de Janeiro während der Biennale von São Paulo im Jahr 1961. Über seine reine Atelierarbeit hinaus übernahm er bedeutende administrative Rollen; so fungierte er 1961 als Direktor des „Neuen Bezalel“ in Jerusalem und später als nationaler Inspektor für Kunststudien.
Seine Werke fanden ihren Weg in bedeutende Institutionen auf mehreren Kontinenten, darunter das Victoria and Albert Museum in London, das Museum of Modern Art in Paris und das Denver Art Museum. Selbst als seine Karriere zu groß angelegten Aufträgen führte, wie etwa der Innenraumplanung für die Convention Hall im Palazzo Vecchio im Jahr 1980, blieb er fest in den figurativen Traditionen verwurzelt, die er in Rom und Paris perfektioniert hatte. Er verstarb am 13. November 2004.