Ein Leben in Hessen
Wilhelm Altheim verbrachte sein Leben in den stillen Winkeln Deutschlands, wobei sein Weg ihn von der Umgebung von Groß-Gerau bis in die Straßen von Frankfurt am Main führte. Seine frühen Jahre wurden maßgeblich durch die Ateliers seiner Lehrer Johann Heinrich Hasselhorst und Frank Kirchbach am Städtschen Kunstinstitut geprägt. Er war ein Mann, der den Blick ganz auf das Nahegelegene richtete. Ab 1895 machte er sich in Eschersheim und später in Frankfurt bemerkbar, wobei er seine Sujets oft im ländlichen Leben seiner unmittelbaren Umgebung fand.
Seine Hände fanden selten Ruhe, da er mit verschiedensten Medien arbeitete, um die Welt einzufangen. Er nutzte Öl, Tempera, Aquarell und Lithografie. Über die reine Malerei hinaus widmete er sich der Radierung und schuf mindestens fünfunddreißig Platten, viele davon nach 1908. Seine Reisen führten ihn für Studienzwecke aus Hessen heraus; er erreichte Paris im Jahr 1894, Italien in den Jahren 1904 und 1905, Holland im Jahr 1907 und Südfrankreich im Jahr 1909. Diese Reisen brachten ein neues Licht in sein Schaffen, doch blieb er stets tief mit den Landschaften und den Menschen seiner Heimatregion verbunden.
Die Sujets der Scholle
Das Werk Altheims ruht oft auf der schlichten, schweren Realität des bäuerlichen Lebens und der Natur. Er besaß die Gabe, Tieren und Arbeitern eine gewisse Gewichtigkeit zu verleihen. Seine Kompositionen zeigten häufig:
- Bäuerliche Szenen, wie etwa einen Mann, der vor seinem Haus Holz hackt.
- Tierstudien, darunter wilde Pferde in einem Stall sowie verschiedene Kavallerie-Motive.
- Religiöse Motive, insbesondere sein Werk aus dem Jahr 1904, Der barmherzige Samariter.
- Landschaftsansichten, welche die Weite und den Maßstab des ländlichen Raums einfingen.
Er war von der Art und Weise beeinflusst, wie Pidoll der Natur begegnete, und davon, wie B. Mannfeld seine späteren Radierungen prägte. Den großformatigen Landschaften wohnt eine monumentale Qualität inne, selbst wenn er sich auf winzige, intime Details konzentriert, wie etwa ein Frauenschuh am Saum eines Rockes. Er suchte nicht das große Drama, sondern vielmehr die beständige Präsenz eines Hirten auf dem Weg oder der Wäscherinnen bei ihrer Arbeit.
Eine familiäre Verbindung
Die Kunstfertigkeit lag ihm im Blut, da er der jüngere Bruder des Malers Georg Altheim war. Seine Verbindung zur Kunstgemeinschaft der Rhein-Main-Region war tiefgreifend, was durch seine Mitgliedschaft in der Freien Vereinigung Darmstädter Künstler und im Verband der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein belegt wird. Er erhielt zu einer Zeit sogar ein Ehrengehalt von letzterer Vereinigung.
Sein Leben endete 1914 in Frankfurt am Main. Während sein Bruder Georg ebenfalls künstlerisch tätig war, bleibt Wilhelms Vermächtnis in jenen Zeichnungen und Drucken lebendig, die Sammler noch heute in der Rhein-Main-Region finden. Seine Radierungen, wie etwa Die Hirten von Bethlehem, bleiben als physische Spuren einer Zeit bestehen, in der er die Welt durch eine Linse stiller, lokaler Details beobachtete.