Ein Leben voller Porträtkunst und Design
Winold Reiss war ein deutsch-amerikanischer Künstler und Grafikdesigner, dessen Schaffen eine Brücke zwischen den Welten schlug. Geboren in Karlsruhe, Deutschland, wuchs er in einer Atmosphäre auf, die tief von der Kunst geprägt war, da sein Vater als Landschaftsmaler und Porträtist tätig war. Nach seinem Studium an der Münchner Kunstgewerbeschule unter dem legendären Franz von Stuck wagte Reiss im Jahr 1 013 den Schritt in die Vereinigten Staaten. Seine berufliche Laufbahn war von einer beeindruckenden Vielseitigkeit geprägt, die von kommerziellen Designarbeiten für die Busy Lady Baking Company in New York bis hin zur Erschaffung prächtiger Mosaike für den Cincinnati Union Terminal zwischen 1931 und 1933 reichte.
Besondere Berühmtheit erlangte Reiss durch sein umfassendes Werk, das die indigenen Völker Amerikas, insbesondere die Blackfeet aus Montana, porträtiert. Durch seine Zeit auf dem Blackfeet-Reservat schuf er mehr als 250 Werke zu diesem Thema. Seine Gemälde fanden eine breite Verbreitung, indem sie als lithografierte Reproduktionen auf Kalendern der Great Northern Railway erschienen. Darüber hinaus leistete Reiss einen bedeutenden Beitrag zur Kunstgeschichte der Harlem Renaissance, indem er Alain Lockes Anthologie The New Negro aus dem Jahr 1925 illustrierte und dabei Zeichnungen einbrachte, die Persönlichkeiten wie W. E. B. Du Bois und Charlie Johnson darstellten.
Künstlerische Aufträge und späte Jahre
Das gestalterische Wirken von Reiss erstreckte sich weit über das Papier hinaus auf verschiedenste Innenräume und Wandgemälde. So entwarf er etwa die Innengestaltung des ersten Longchamps-Restaurants mit indianischen Motiven und malte acht ovale Wandbilder für ein weiteres Longchamps-Restaurant im berühmten Empire State Building. Seine späteren Arbeiten entwickelten sich hin zu floralen Abstraktionen und einer reduzierten Geometrie. Im Jahr 1946 zog er schließlich in den Westen der USA, wo er ein ehemaliges Bankgebäude in Carson City als sein Atelier bezog.
Das Leben von Reiss war von mehreren prägenden Ereignissen gezeichnet:
- Er wanderte im Jahr 1913 nach Amerika aus.
- Im Jahr 1915 gründete er gemeinsam mit Oskar Wentz die Publikation Modern Art Collector.
- Im Jahr 1922 eröffnete er eine Kunstschule in New York City.
- Ein Schlaganfall im Jahr 1951 und ein zweiter im Jahr 1952 führten schließlich zu seiner Lähmung.