Die Geschichte des Westfries Museum
Das Westfries Museum ist ein bedeutendes Museum für Regionalgeschichte, das in der niederländischen Stadt Hoorn beheimatet ist. Seit seiner Gründung im Jahr 1880 widmet sich die Institution mit Leidenschaft der Erforschung und Präsentation jener Epoche, die sich zwischen 1500 und 1800 erstreckte. Diese Ära markiert die dynamischste Phase der niederländischen Geschichte, und das Museum beleuchtet auf faszinierende Weise, wie diese tiefgreifenden Entwicklungen spezifisch die Region West-Friesland geprägt haben.
Der inhaltliche Fokus des Museums wird durch die gewaltigen historischen Umbrüche definiert, die sich innerhalb dieser drei Jahrhunderte vollzogen. Es dient als lebendiges Zeugnis der sozialen und wirtschaftlichen Transformationen, welche die lokale Umgebung während des Aufstiegs und des schließlichen Ausklangs des Goldenen Zeitalters geformt haben. Indem das Museum seine Erzählweise konsequent auf diesen spezifischen Zeitraum konzentriert, bewahrt es eine tiefgründige und fokussierte Auseinandersetzung mit der maritimen und kommerziellen Geschichte, die untrennbar mit dem Wesen Hoorns verbunden ist.
Das monumentale Gebäude und seine Architektur
Das Museum residiert in einem geschichtsträchtigen Rijksmonument aus dem 17. Jahrhundert, das am Roode Steen in Hoorn thront. Das Herzstück dieses Ensembles bildet das Statencollege, ein imposanter Bau, der im Jahr 1632 errichtet wurde, um den Gecommitteerde Raden von West-Friesland und dem Noorderkwartier einen würdigen Sitz zu bieten. Dieser Ort ist von tiefen historischen Schichten durchzogen, da das Statencollege auf dem Fundament des Proostenhuis errichtet wurde – einem der ersten Steinhäuser, die jemals in Hoorn entstanden sind.
Die Präsenz des Museums erstreckt sich über ein weitläufiges, monumentales Komplexgelände. Es umfasst das Hauptgebäude in der Roode Steen 1 sowie das angrenzende Denkmal in der Roode Steen 15. Hinter dem Museum gewährt ein prachtvolles, aus dem Jahr 1729 stammendes Tor den Zugang zum geschützten Innenhof. Die Architektur zeugt eindrucksvoll von der administrativen Bedeutung der Region während des 17. Jahrhunderts; sowohl die prunkvolle Fassade als auch die weitläufigen Innenräume wurden gezielt darauf ausgerichtet, den repräsentativen und funktionalen Anforderungen der regionalen Regierungsbehörden gerecht zu werden.
Die Kunstsammlung des Goldenen Zeitalters
Das Museum beherbergt eine vielschichtige Sammlung von Gemälden aus dem siebzehnten Jahrhundert, von denen viele von Künstlern geschaffen wurden, die ihren Lebensunterhalt in West-Friesland bestritten. Diese Meisterwerke werden in einem Kunstkabinett präsentiert, das nach dem Vorbild einer Kunstkammer des siebzehnten Jahrhunderts arrangiert ist. Die Inszenierung nutzt goldene Tapeten an den Wänden – eine Rekonstruktion des Stils, wie er 1742 in der Regentenkammer des ehemaligen Waisenhauses in Enkhuizen zu finden war.
Jenseits der Leinwand umfasst die Sammlung auch kostbares Porzellan, Glasarbeiten und Silberobjekte, die den materiellen Reichtum jener Epoche widerspiegeln. Die Anordnung der Gemälde, die sich von der Decke bis hinunter zu den Fußleisten erstreckt, folgt der historischen Praxis, Kunst in den prachtvollen Häusern wohlhabender Kaufleute zur Schau zu stellen.
- Porträt der Catharina van Someren, 1632 – Jacques Waben
- Porträt von Jan Pieterszoon Coen, 1700 – Jacques Waben
- Porträt von Meyndert Merens, 1626 – Jacques Waben
- Porträt eines unbekannten 14-jährigen Mädchens, 1655 – Jan Albertsz. Rotius
- Porträt von Lucas van Neck Merens, 1734 – Nikolaas Verkolje
- Sophie Charlotte zu Solms-Hohensolms-Lich – Johann Heinrich Tischbein
Jüngste archäologische Entdeckungen und Projekte
Das Westfries Museum befindet sich derzeit in einer Phase umfassender Renovierungen und Erweiterungen, die weit über die bloße Instandhaltung hinausgehen. Während der notwendigen Fundamentarbeiten an dem geschichtsträchtigen Monumentalbau stießen Archäologen auf Überreste, die das älteste Steinhaus von Hoorn darstellen könnten. Diese faszinierenden Funde umfassen massive mittelalterliche Mauern, verborgene Keller und einen steinernen Treppenturm. Das exakte Alter dieser Strukturen ist Gegenstand intensiver Untersuchungen, die durch dendrochronologische Analysen und weitere archäologische Methoden entschlüsselt werden sollen.
Die Ausgrabungen haben zudem eine mittelalterliche Sickergrube ans Licht gebracht, die eine Fülle an Artefakten aus dem 15. und 16. Jahrhundert barg. Diese Entdeckungen liefern greifbare Beweise für die langjährige Besiedlung dieses Ortes und dokumentieren eindrucksvoll den architektonischen Wandel der Region – den Übergang vom Bauen in Holz hin zu beständigeren Steinbauten. Die laufenden Arbeiten setzen die Reise fort, Schicht um Schicht die verborgene Geschichte der Stadt unter dem heutigen Fundament des Museums zu enthüllen.
