Ein Leben in Wien
Marie Müller wurde am 10. Juli 1847 in Wien geboren und wuchs in einer Familie auf, in der der Pinsel und das Werkzeug des Lithografen allgegenwärtige Begleiter waren. Ihr Vater, Leopold Müller, war zunächst als Landvermesser tätig, bevor er sich der Lithografie zuwandte, während auch ihre Geschwister ihren Weg in die Kunst fanden. Gemeinsam mit ihrer Schwester Bertha prägte die schöpferische Energie ihres Bruders, des Orientalisten Leopold Carl Müller, Marie eine tiefgreifende Kindheit und Jugend. Diese familiäre Verbindung bot ihr nicht nur ein solides Fundament, sondern auch einen direkten Zugang zur künstlerischen Praxis, da sie zehn Jahre lang in den Ateliers ihres Bruders an der Akademie der bildenden Künste wirkte.
Ihre formale Ausbildung begann im Jahr 1872 mit vorbereitenden Aktzeichenkursen an der Kunstgewerbeschule. Später suchte sie den privaten Unterricht bei Ferdinand Laufberger, eine Studienphase, die bis 1880 andauerte. Diese frühen Jahre waren geprägt von einer stetigen Verfeinerung ihres technischen Könnens, wobei sich ihr Weg von der strukturierten Umgebung der Akademie hin zur persönlicheren Atmosphäre privater Lektionen entwickelte. Im Jahr 1883 begleitete sie ihren Bruder nach Kairo – eine Erfahrung, die ihre Palette um völlig neue Sujets bereicherte, als sie Interieurs und Porträts in Ägypten malte.
Die Kunst des Porträts
Müllers künstlerisches Schaffen war maßgeblich durch die Porträtmalerei, Miniaturen und die Genremalerei definiert. Ihren ersten öffentlichen Auftritt in der Kunstwelt feierte sie 1886 im Wiener Künstlerhaus, wo sie der Öffentlichkeit sieben Porträts präsentierte. Es folgte eine jahrzehntelange Präsenz in der Wiener Kunstszene durch jährliche Ausstellungen. Ihre Werke hielten oft die Züge bedeutender Persönlichkeiten fest, wie etwa die der Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach, mit der sie zudem in persönlichem Briefkontakt stand.
Die Motive ihres Werkes reichten von intimen Momenten bis hin zu kulturell spezifischen Darstellungen. Zu ihren bekanntesten Arbeiten zählen:
- Orientale mit weißem Kaftan und gelbem Turban, derzeit im Belvedere, Wien, aufbewahrt
- Ein Porträt von Marie von Ebner-Eschenbach
- Neapolitanischer Knabe
Über das individuelle Antlitz hinaus widmete sie sich der Figurenmalserei und dem Stillleben. Ihr Atelierleben teilte sie eng mit ihrer Schwester Bertha; gemeinsam erbten sie 1890 das Atelier von August von Pettenkofen und bewohnten diesen Raum bis zu ihrer Räumung im Jahr 1902.
Engagement und späte Jahre
Um 1900 wurde Müller Gründungsmitglied der Acht Künstlerinnen, einer Initiative, die darauf abzielt, die Sichtbarkeit von Künstlerinnen zu erhöhen. Dieser Zusammenschluss umfasste Persönlichkeiten wie Olga Wisinger-Florian und Marie Egner und verfolgte das Ziel, die Kunst von Frauen durch Ausstellungen im Salon Pisko einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.
Die späteren Jahre ihres Lebens waren von den wirtschaftlichen Umbrüchen der Nachkriegszeit geprägt. Die Ära der Hyperinflation brachte sowohl ihr als auch Bertha erhebliche finanzielle Nöte. In ihrem letzten Jahrzehnt widmete sie sich der Bewahrung des Erbes ihres Bruders und fungierte von 1925 bis 1931 als Agentin für die Werke Leopolds. Im Jahr 1932 organisierte sie eine Gedenkausstellung für ihn – dasselbe Jahr, in dem sie ihren Korrespondenzschatz mit Ebner-Eschenbach an die Österreichische Nationalbibliothek verkaufte. Marie Müller verstarb am 21. März 1935 in Wien.
Fragen & Antworten
In welcher Stadt und in welchem Land wurde Marie Müller geboren?
Marie Müller wurde in Wien, Österreich, geboren.
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