Frühes Leben, Familie und Ausbildung
Am 23. Oktober 1898 erblickt Werner Scholz in Berlin, Deutschland, das Licht der Welt. Er wird in ein Heim hineingeboren, das von Struktur und Klang geprägt ist: Sein Vater, Ehrenfried Scholz, ist als Architekt und Schüler von Martin Gropius tätig, während seine Mutter, Elisabeth, als Pianistin die musikalische Seele des Hauses bildet. Doch bereits im Jahr 1916 verschiebt sich die Lebensbahn des jungen Mannes unaufhaltsam in Richtung Leinwand. Er beginnt seine formale Ausbildung in der Malerei an der Berliner Universität der Künste.
Der Schwung seiner Studien wird jedoch durch den Ausbruch des Krieges jäh unterbrochen. Scholz meldet sich während des Ersten Weltkriegs freiwillig zum Militärdienst. Die Schrecken des Konflikts führen ihn auf das Chemin des Dames in Frankreich. Am 23. Oktober 1917, seinem neunzehnten Geburtstag, verändert ein Granateneinschlag seine physische Realität für immer. Die Verletzung ist schwerwiegend: Er verliert seinen linken Unterarm.
Der Krieg hinterlässt eine bleibende Spur an seinem Körper, doch der schöpferische Impuls lässt sich nicht brechen. Zwischen 1919 und 1920 kehrt Scholz an die Berliner Universität der Künste zurück, um seine Studien fortzusetzen. Er navigiert durch die kargen Landschaften des Nachkriegs-Berlin und bezieht ein Atelier am Nollendorfplatz, während er versucht, seine künstlerische Ausbildung mit den unerbittlichen Realitäten einer veränderten Welt in Einklang zu bringen.
Die Berliner Jahre und der Expressionismus
Das Berlin der 1920er Jahre gleicht einer Landschaft aus Schmutz und sozialen Spannungen. Nachdem er im Jahr 1920 in ein Atelier am Nollendorfplatz gezogen war, wurde Scholz zu einer zentralen Figur in der sich stetig wandelnden Atmosphäre dieser Stadt. Er schloss sich der zweiten Generation des deutschen Expressionismus an und arbeitete Seite an Seite mit Zeitgenossen wie George Grosz und Otto Dix. Sein Blick richtete sich zunehmend auf die Entbehrungen und das Elend des Kleinbürgertums in der Nachkriegszeit. Die Gemälde aus dieser Epoche, insbesondere seine Ölbilder zwischen 1919 und 1945, zeichnen sich durch eine gedämpfte Tonalität aus. Doch unter dieser zurückhaltenden Palette bleibt die Ausdruckskraft der Werke enorm; sie fangen die existenzielle Einsamkeit der Stadtbevölkerung auf eindringliche Weise ein.
Das politische Klima wandelt sich jedoch gewaltsam. Bis 1937 schlägt die Stimmung in Berlin gegenüber der Avantgarde in Feindseligkeit um. Das NS-Regime erklärt sein Werk zur „entarteten Kunst“, und ein Ausstellungsverbot wird verhängt. Diese Repression erzwingt eine plötzliche Abkehr von dem großstädtischen Leben, das er zuvor so eindringlich dokumentiert hatte. Viele seiner Berliner Atelierwerke gingen in den Zerstörungen von 1944 verloren, sodass von dieser intensiven Schaffensperiode nur Fragmente zurückblieben.
- Das tote Kind, Mitteltafel des Triptychons „Das tote Kind“ (1933)
- Die Vertriebenen (um 1933)
Technik und künstlerischer Stil
Scholz entfaltet seine Kunst durch das spannungsvolle Wechselspiel von Linie und der Wucht der Farbe. Sein Pinselstrich ist weit mehr als der bloße Auftrag von Pigmenten; er ist eine Abfolge kraftvoller Gesten, die die Form erst definieren. Dabei bewegt er sich über die reine Abbildung hinaus in das Reich des expressiven Realismus, indem er jegliche Beschönigung abstreift, um den rohen, ungeschönten Zustand seiner Motive zu konfrontieren. Die Ergebnisse sind oft von einer unerbittlichen Schroffheit geprägt. Seine Figuren treten aus der Leinwand hervor, gefangen in Momenten existenzieller Einsamkeit und tiefster menschlicher Not.
Das gewählte Medium bestimmt dabei maßgeblich die Intensität der Botschaft. Häufig nutzt er Öl auf Holztafel, um eine ganz spezifische, konzentrierte Energie zu erzeugen, oder greift zu Pastellkreiden, um die vielfältigen Texturen von Licht und Schatten zu erforschen. Diese technischen Entscheidungen stützen eine visuelle Sprache, die sich weigert, vor dem Leid der Welt die Augen zu verschließen. In Werken wie dem Triptychon Das tote Kind trifft die strukturelle Gewalt der Komposition auf einen unerbittlichen, unnachgiebigen Farbauftrag.
- Das tote Kind, Mitteltafel des Triptychons „Das tote Kind“ (1933)
- Amaryllis (undatiert)
- Ruine Kropfsberg (undatiert)
Späte Jahre und Tod
Das politische Klima der späten 1930er Jahre erzwingt eine Abkehr von der urbanen Intensität Berlins. Im Jahr 1939 zieht Scholz in das Tiroler Bergdorf Alpbach. Dieser Wechsel vom metropolitanen Zentrum in die Berge markiert eine dauerhafte Veränderung seiner geografischen Verortung. Er bleibt für den Rest seines Lebens in Alpbach und findet in der Tiroler Landschaft eine andere Art der Einsamkeit als jene, die er einst in der Stadt porträtierte.
Die 1960er Jahre bringen eine Zeit des Aufbruchs und der Reisen. Er unternimmt häufige Ausflüge in die Niederlande und nach Italien. Diese Reisen bieten einen Kontrast zur Gebirgsluft Tirols. Sein Fokus bleibt stets auf dem Akt des Malens, selbst während sich seine Umgebung zwischen den nordischen Tiefebenen und dem mediterranen Süden wandelt.
Das Leben von Werner Scholz findet am 5. September 1982 in Schwaz, Tirol, sein Ende. Er hatte seine letzten Jahrzehnte in den Bergen verbracht, fernab der Kriegszerstörungen, die sein Berliner Atelier und viele seiner früheren Werke vernichtet hatten. Seine Präsenz in der Region bleibt untrennbar mit der Stille der Alpen verbunden.
Wo man seine Werke heute sehen kann
Die physischen Überreste von Scholz' Schaffen sind über mehrere bedeutende Institutionen verteilt, was die enorme Tragweite seiner expressionistischen Vision widerspiegelt. In Europa ist sein Wirken in den Sammlungen der Albertina in Wien und des Wallraf-Richartz-Museums in Köln spürbar. Diese Bestände stellen einen wesentlichen Teil des visuellen Erbes dar, das nach der Zerstörung seines Berliner Ateliers im Jahr 1944 und der Beschlagnahmung von Werken während der Kriegsjahre zurückgeblieben ist.
Auch die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in München beherbergen seine Kunst und bewahren dabei jene Stücke, die die Ära der politischen Zensur überdauert haben. Jenseits des europäischen Kontinents haben seine Gemälde in Moskau und Detroit dauerhafte Heimat gefunden. Diese internationalen Standorte stellen sicher, dass sein spezifischer, gestischer Umgang mit der menschlichen Isolation einem weltweiten Publikum zugänglich bleibt.
Fragen & Antworten
Gibt es eine Übersicht über alle Motive, die Werner Scholz gemalt hat?
Die Werke von Werner Scholz können auf der Themenübersicht-Seite des Künstlers nach Themen erkundet werden.
Wo lassen sich die Kunstwerke von Werner Scholz nach Farben sortiert entdecken?
Die Farbindex von Werner Scholz bietet eine nach Farben sortierte Übersicht der Kunstwerke des Künstlers.
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Die Werke von Werner Scholz können auf der Nach Medien sortiert-Seite des Künstlers nach Medium durchsucht werden.
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