Ursprung und Geschichte der Galerie
Die Wurzeln der Staatsgalerie Moderner Kunst reichen bis in das späte 18. Jahrhundert zurück und entspringen den stetig wachsenden Kunstschätzen der Familie Wittelsbach. Was als private Sammlung von Schönheit begann, wandelte sich im Laufe der Zeit in eine öffentliche Institution, die die wechselhaften Gezeiten der deutschen Geschichte widerspiegelt. Mit dem Herannahen des 20. Jahrhunderts entwickelte sich München zu einem zentralen Knotenpunkt künstlerischer Innovation. Die Stadt wurde Zeuge des Aufstiegs von Bewegungen wie dem Expressionismus, dem Kubismus und dem Surrealismus, die die Landschaft der visuellen Kultur grundlegend neu gestalteten und eine völlig neue Art des Sehens forderten.
Die Entwicklung der Sammlung änderte sich nach dem Zweiten Weltkrieg maßgeblich. Die Zerstörung und der anschließende Wiederaufbau der Stadt schufen eine dringende Notwendigkeit für dedizierte Räumlichkeiten, um bahnbrechende Kunstwerke unterzubringen, die bewahrt oder zurückgewonnen worden waren. Diese Notwendigkeit führte zur Gründung der Staatsgalerie Moderner Kunst, die den Avantgarde-Werken, die diese Ära prägten, ein Zuhause gab. Die Institution war schon immer ein Ort der Evolution und bewegte sich durch verschiedene Räumlichkeiten, während sich die Definition der modernen Kunst stetig erweiterte.
Im Jahr 2002 fand die Sammlung ihr heutiges, dauerhaftes Zuhause innerhalb der Pinakothek der Moderne. Durch diese Umsiedlung wurden die Bestände in einen größeren, interdisziplinären Komplex integriert, der es der Kunst ermöglicht, Seite an Seite mit Architektur und Design zu existieren. Die Geschichte der Galerie ist geprägt von kontinuierlicher Bewegung und Anpassung – ein Wandel von königlichen Sammlungen hin zu einer führenden internationalen Institution, die den Dialog zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart aufrechterhält.
Die Architektur der Pinakothek der Moderne
Die Pinakothek der Moderne fungiert als ein „Vier-in-einem“-Komplex – ein architektonisches Konzept, das Kunst, Grafik, Architektur und Design in vollendeter Weise vereint. Diese unterschiedlichen Disziplinen existieren unter einem einzigen, weitläufigen Glasdach, eine strukturelle Entscheidung, die eine nahtlose Integration verschiedener kreativer Felder innerhalb desselben physischen Raumes ermöglicht. Das schiere Volumen des Innenraums bietet dabei die notwendige Weite für ambitionierte Installationen und komplexe thematische Präsentationen.
Im Herzen des Gebäudes liegt eine imposante Rotunde. Dieser zentrale Raum dient als Treffpunkt und als Forum für Kontemplation und Austausch. Die Architektur fördert ein Gefühl der Verbundenheit zwischen den verschiedenen Disziplinen, die in diesen Mauern untergebracht sind. Licht und Raum treten in einen Dialog, der die verschiedenen Sammlungen miteinander verweben und es den Kunstwerken ermöglichen, in dieser großzügigen Umgebung förmlich aufzuatmen.
Die Sammlung Moderne Kunst
Die Sammlung Moderne Kunst beherbergt über 20.000 Werke von mehr als 150 Künstlern. Anstatt einer strengen chronologischen Abfolge zu folgen, nutzt die Sammlung einen „MIX & MATCH“-Ansatz. Diese Methode versetzt die klassische Moderne in einen direkten Dialog mit zeitgenössischer Kunst und Fotografie. Die Auswahl spannt den Bogen von den bedeutenden Avantgarde-Bewegungen des frühen 20. Jahrhunderts bis hin zur Kunst der Gegenwart.
Die Präsenz der Ann und Jürgen Wilde Foundation bereichert die Bestände durch eine umfangreiche Fotografie-Sammlung, welche die Tiefe des Angebots erweitert. Diese Einbeziehung ermöglicht einen Austausch zwischen verschiedenen Medien, bei dem ein Gemälde neben einer fotografischen Studie oder einer Videoinstallation existieren kann. Die Anordnung fördert eine Wahrnehmung von Kunst, die traditionelle Grenzen von Zeit und Genre überschreitet.
- The Mandrill, 1913
- Red Deer II, 1912
- Selbstbildnis als Kranker, 1917
- Die Zirkusreiterin, 1912
- Girls under Trees, 1914
Meisterwerke der modernen Sammlung
Die Präsenz der Sammlung wird durch die enorme Tiefe ihrer vielfältigen Sujets spürbar. Man begegnet den kraftvollen Gemälden von Max Beckmann, die in unmittelbarer Nähe zum unerbittlichen Realismus der Industriefotografien von Bernd und Hilla Becher stehen. Diese Gegenüberstellung ermöglicht eine stille Betrachtung von Form und Textur. Die lyrischen Abstraktionen von Paul Klee finden ihr Gegenstück in den Landschaften von Wassily Kandinsky und schaffen so einen Raum, in dem Farbe und Linie in einem ständigen Dialog miteinander stehen.
Bestimmte Werke besitzen in den Hallen eine ganz besondere Gravitas. August Macke’s Bathing girls with town in the backgraund, datiert auf etwa 1913, gewährt einen Einblick in die Ästhetik des frühen 20. Jahrhunderts. Franz Marc ist durch Werke wie Tyrol aus dem Jahr 1914 und The Mandrill aus dem Jahr 1913 vertreten. Diese Stücke existieren Seite an Seite mit den Beiträgen von Pablo Picasso, Andreas Gursky, Jeff Wall und Katharina Grosse, wodurch sichergestellt wird, dass der Dialog zwischen historischen Bewegungen und zeitgenössischer Praxis niemals abreißt.
- Bathing girls with town in the backgraund, etwa 1913
- Tyrol, 1914
- The Mandrill, 1913
Ausstellungen und zeitgenössischer Dialog
Das Museum strebt aktiv danach, Gedanken anzuregen und sich mit den drängenden Fragen unserer Zeit auseinanderzusetzen. Jüngste Ausstellungen haben Themen beleuchtet, die von sozialer Gerechtigkeit und politischem Umbruch bis hin zu den philosophischen Implikationen neuer Technologien reichen. Dieses Engagement für den Dialog stellt sicher, dass der Raum eine lebendige Kraft bleibt, um die Gegenwart durch das Prisma der Vergangenheit und der Zukunft zu betrachten.
Das aktuelle Konzept der Sammlung Moderne Kunst nutzt einen thematischen Ansatz, um spannende Dialoge zwischen den Kunstwerken zu entfalten. Auf einer Fläche von 3.600 Quadratmetern, verteilt über 25 Räume, verzichtet die Präsentation auf eine strikte Chronologie. Stattdessen werden unterschiedliche Medien in einen Gesprächsfluss gebracht, wodurch unerwartete Verbindungen zwischen verschiedenen Epochen und Disziplinen entstehen können.
Diese Methode lädt dazu ein, die Art und Weise, wie Kunst auf die Welt reagiert, neu zu überdenken. Indem die Institution den klassischen Modernismus mit zeitgenössischer Fotografie und Videokunst gegenüberstellt, schafft sie einen Raum, in dem historische Bewegungen und moderne Anliegen aufeinandertreffen. Die Anordnung fördert eine Wahrnehmung von Kunst, die sowohl vielschichtig als auch in ständigem Wandel begriffen ist.
